Geschrieben am 24.10.2009
Frage 3: Was ist ein “meal deal”? Hier gehts nochmal zur Erklärung.
Diese Woche habe ich erstmals ernsthaft angefangen an meiner wissenschaftlichen Karriere zu feilen. Oder zumindest so etwas ähnliches. Ich verbringe jetzt jedenfalls meine Tage damit, mich durch stapelweise Papier zum Thema Abwasserreinigung zu lesen. Die erste ernüchternde Erkenntnis: grau ist alle Theorie. Die Realität verhält sich nicht so hübsch strukturiert wie in den Lehrbüchern. Zumindest steht das in den Papern. Ich glaube nicht, das meine Zukunft in der Bioverfahrenstechnik und/oder im Abwassersektor stattfinden wird. Nichtsdestotrotz werde ich nach Weihnachten hoffentlich beginnen, diesem Stapel Papier ein paar Seiten aus meiner eigenen Feder hinzuzufügen. Zum Glück wird meine Studienarbeit rein theoretischer Natur sein und ich werde mein schönes warmes Büro nicht verlassen müssen, um in kalten Versuchshallen Mikroorganismen mit Klärschlamm zu füttern. Außerdem gibt es sehr nette andere Studenten, die im selben Büro an ihren ersten akademischen Gehversuchen rumbasteln und einem Schwätzchen nie abgeneigt sind.
Jetzt zurück zur Freizeit: Letztes Wochenende war ich in Cambridge, ein Ausflug, der vom Community Center der Uni organisiert wurde. (Ich dachte ja, über Tagesausflüge mit dem Bus muss man sich erst ab sechzig Gedanken machen, aber wenns zum Campuslife dazugehört.) Zum Glück sind die Engländer keine begeisterten Frühaufsteher. Der Bus fuhr um zehn los. Ich war mit niemandem verabredet, habe aber im Bus eine Libanesin getroffen, die ich am zweiten Abend im Pub kennengelernt habe. Sie war wiederum mit zwei chinesischen Bekannten da, die leider beide eher rudimentär Englisch gesprochen haben und das zudem mit starken Akzent. Die Verständigung gestaltete sich so ein wenig schwierig. Ich bin leider auch schnell genervt und finde es anstrengend dann in der Gruppe zu bleiben. So geht es mir manchmal in Deutschland auch schon, weil jeder Rücksicht auf die anderen nehmen will (von Ausnahmen mal abgesehen) und dann ewig rumdiskutiert wird, bevor es eine Entscheidung gibt. Wenn man dann die Menschen, mit denen man unterwegs ist, nicht kennt und eine Sprachbarriere dazukommt, macht das die Sache nicht unbedingt leichter, zumindest für mich. Aber es ist bestimmt fantastisch für die Soft Skills!

Also Cambridge: Ein schönes englisches Städtchen, ein wenig erdrückt von soviel Tradition und Geschichte. Etwas drastischer formuliert: Es wird geradezu überrannt von Touristen aus aller Herren Länder, die nur ja auch kein Fotomotiv auslassen wollen. Im Endeffekt ist die Universität nicht so beeindruckend, zumindest würde ich das jetzt nach einem ersten flüchtigen Eindruck behaupten wollen. Viele der Gebäude sind recht unscheinbar. Eher macht es die Ansammlung. Es atmet einfach alles Geschichte. Als Einwohner oder Student stelle ich es mir sehr anstrengend vor hier zu leben, zumindest im Sommer. Es gibt viele Fahrradfahrer, aber so voll wie die Straßen sind, sind sie kaum schneller als die Touristengruppe vor ihnen. Bestimmte Wege, Parks oder Brücken darf man auch nur noch mit einem speziellen Passierschein betreten.Viel zu viele Menschen für mich auf einem Fleck. Trotzdem möchte ich gern nochmal hin, es soll eine sehr gute Sammlung für zeitgenössische Kunst geben. Vielleicht im Februar an einem Regentag oder so, dann habe ich die Stadt für mich.
Geschrieben am 16.10.2009
Frage Nr. 2: Ganz blöd, aber weil es schon spät ist und ich da dran denken muss mich zu registrieren: Wie heißt die öffentliche “Krankenkasse ” Großbritanniens? Hier gehts nochmal zur Erklärung
Jetzt möchte ich euch kurz das Konzept der Cranfield University vorstellen und ein wenig vom Campusleben berichten. Damit ihr einen groben Überblick habt, wo es mich denn jetzt eigentlich hinverschlagen hat. Die Universität Cranfield ist eine sehr kleine und eine sehr junge Uni, sie besteht erst seit 1993 und hat ca. 4000 Studierende. Hier studieren aber nur Graduierte, das heißt es werden nur Masterstudiengänge angeboten. Das führt dazu, das ich hier wahrscheinlich den Altersdurchschnitt ziemlich drücke. Ich hab noch keinen getroffen, der nicht mindestens zwei Jahre älter war. Es ist eine Campusuni, Verwaltung, Lehre und Forschung, Unterbringung, Studieren und Leben auf engstem Raum und keine Möglichkeit zur Flucht. Clausthal-Zellersfeld ist bestimmt eine Metropole dagegen. Selbst nach Cranfield Village kommt man schlecht ohne Auto, außer man möchte eine dreiviertel Stunde Fußmarsch an der Landstraße auf sich nehmen. Immerhin kann man dabei Schafe streicheln.
Hier einen Blick auf den Eingang zu Mitchell Hall, dem Wohnheim in dem ich wohne.
Jetzt noch einen Blick auf die Bushaltestelle der Universität, sozusagen die Verbindung mit der Außenwelt. Es fahren auch tatsächlich stündlich Busse nach Bedford oder nach Milton Keynes. Am Wochenende organisiert die Unversität einen kostenlosen Bus nach Milton Keynes, damit sich alle im gigantischen vorstädtischen Tesco versorgen können. Das ist wie Hamsterfahrt, früh rücken dann alle mit gigantischen Rucksäcken, teilweise sogar mit ihren riesigen Koffern, an und fahren einkaufen. Außerdem gibt es jeden Samstag noch einen organisierten Ausflug, letzte Woche war London dran, nächsten Samstag geht es nach Cambridge, den darauf nach Oxford.

Geschrieben am 10.10.2009
Frage: In Bedford ist dieses Wochenende Beerfestival, also aus gegebenem Anlass: Wer ist schneller betrunken, der Deutsche der in England Pints trinkt oder der Engländer der in Deutschland die gleiche Anzahl Pils drinkt? Hier gehts nochmal zu der Erklärung.
Ich war heute in Bedford. Ich habe ein wenig verschlafen und dann das schwarze Loch entdeckt: Um 9.30 Uhr macht die Frühstücksausgabe im Wohnheim zu und um zehn öffnet erst das gemütliche Campuscafe. Und genau in dieser Zeit wollte ich Tee trinken, was macht man denn bitte in England ohne Frühstückstee?
Trotzdem habe ich dann mit genau noch zwei Mitstudenten den Bus nach Bedford bestiegen: Kostenpunkt 6,90 Pfund für das Returnticket, ca. eine Stunde Fahrt eine Richtung über lauter hübsche kleine englische Dörfchen und fährt stündlich, sogar am Wochenende. Busfahren hat in England auch anscheinend eine größere soziale Komponente, die Hinfahrt war eher wie ein rollendes Kaffeekränzchen.


Als ich dann angekommen war, wurde ich sehr positiv überrascht. Bedford ist ein schmuckes kleines Städtchen mit einem netten Flüsschen in der Mitte und viel Grün, vielen alten Häuschen und sogar einer Fußgängerzone.Und natürlich: ein großes Einkaufszentrum. In der Mitte. Auf der einen Seite mit neogothischer Fasade, auf der andern mit siebziger Jahre Sichtbeton, das die ganze Innenstadt dominiert.
Ein wunderschöner Tag, da auch das Wetter so gar nicht englisch war. Sonnenschein den ganzen Tag und auch noch sehr freundliche Temperaturen. Engländerinnen in kurzen Röcken, hohen Schuhen und gewagten Tops mit vielen kleinen Kindern an der Hand oder im Bugy wild am Shoppen. Doro mit Pullover und Jacke, dafür aber sehr entspannt. Plattgedrückt hab ich mir die Nase an einer hübschen kleinen Bäckerei, die wirklich alles im Angebot hatte was das Herz begehrt. Kleine gedeckte Apfelküchlein, Cookies in allen Variationen, fruchtige Muffins und quitschbunte Cupcakes, liebevoll mit orangener, rosaner und grüner Buttercreme für Halloween dekoriert. Buntes Essen ist hier deutlich gefragter als in Deutschland.
Gekauft hab ich auch ein paar Kleinigkeiten, unter anderem eine Teedose und Tee und eine Tasse, so bin ich an kommenden Wintertagen gerüstet, wenn mich jemand wieder von der Teeversorgung abschneiden will. Auf englischen Teepackungen wird die Stärke in einer Skala von 1-5 angegeben. Ich habe mich jetzt für eine drei entschieden, weil der den es hier im Wohnheim gibt, der ist so stark das ich jedesmal 3 Packungen Zucker reinmache, aber das kann nicht gesund sein. Vielleicht hilft aber tatsächlich Milch. Sieht dann aber nicht mehr schön aus. Man kann halt nicht alles haben.